Drastische Maßnahmen

Obwohl kein infizierter Frankfurter bekannt ist, schließen ab Mittwoch alle Schulen und Kindergärten.

Drastische Maßnahmen

Frankfurt (Oder). Nach Gesprächen mit der Landesregierung verkündete Oberbürgermeister René Wilke (Die Linke) heute die Schließung aller Schulen und Kindertagesstätten der Stadt. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um die Ausbreitung der Viruserkrankung Covid-19 zu bremsen, erklärte Wilke im Rahmen einer Pressekonferenz. „Es ist nicht so, dass wir in Frankfurt (Oder) eine akute Lage haben“, gab Wilke zu. „Es gibt aktuell keinen direkten Frankfurter Fall.“ Die beiden Leute, die bisher in der Stadt mit Covid-19 diagnostiziert wurden, stammen aus Berlin und Neuzelle. Sie befinden sich in ihren jeweiligen Heimatorten in Quarantäne. Frankfurts Stadtoberhaupt warnt deshalb vor Überreaktionen und Panik. Dennoch befürwortet er die Aufhebung des Rechts auf Bildung, die für mindestens zwei Wochen gilt. „Alles, was wir jetzt entscheiden, hat auch immense Nachteile“, so der Oberbürgermeister, setzt aber vor allem auf Vorsicht und hält diese Maßnahme nicht für unverhältnismäßig. Da Kinder nach wissenschaftlichen Kenntnissen als besonders widerstandsfähig gegen das Corona-Virus gelten, geht der Schulunterricht in manchen europäischen Ländern normal weiter.

Obendrein untersagt René Wilke alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern. Bei mehr als 100 Gästen muss um Erlaubnis gebeten werden, die nur in Ausnahmefällen erteilt wird. Betroffen sind unter anderem Märkte, Diskotheken, Theater, Konzerte, Ausstellungen und Gottesdienste. Damit ist auch die Religionsfreiheit eingeschränkt, und die Existenz verschiedener Kulturbetriebe gefährdet. Wilke hatte schon vor der Pressekonferenz die Schließung des Kamea Clubs angeordnet. Dort gäbe es ein „überregionales Publikum mit potenziell engem Körperkontakt“. Straßenbahnen und Busse verkehren ab Mittwoch, dem 18. März 2020 nach dem Ferienfahrplan. Das Klinikum Markendorf sei gut auf einen eventuellen Ausbruch der Krankheit vorbereitet, und am Karl-Ritter-Platz soll eine Praxis mit Covid-Spezial-Sprechstunde entstehen. „Wir hoffen, dass wir damit vielleicht Dienstag, Mittwoch an den Start gehen können“, sagt René Wilke.

Die Universität Viadrina verschiebt den Beginn der Präsenzlehre im Sommersemester 2020 auf den 20. April. Außerdem sagt sie sämtliche Konferenzen, Tagungen und alle anderen öffentlichen Veranstaltungen ab. „Die Maßnahmen stellen einen erheblichen Einschnitt in das universitäre Leben dar“, teilt Universitäts-Präsidentin Prof. Dr. Julia von Blumenthal mit. „Sie sind notwendig, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Wir werden alles tun, um die Auswirkungen für unsere Studierenden so gering wie möglich zu halten. Durch das große Engagement und die Umsicht unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird es uns gelingen, die Viadrina gut durch die kommenden Wochen zu bringen.“

Abschließend bittet Frankfurts Oberbürgermeister alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt, soziale Kontakte zu vermeiden: „Das gilt für den privaten Bereich wie auch für die Inanspruchnahme öffentlicher und kommerzieller Dienstleistungen im Stadtgebiet.“

Logo