Interview mit Wilko Möller

Vor der Bundestagswahl sprach Oderland.news mit dem Frankfurter Bundespolizisten Wilko Möller, Direktkandidat der AfD.

Interview mit Wilko Möller

Georg Langer: Herr Möller, neben Ihrem Job bei der Bundespolizei sitzen Sie auch im Stadtparlament und im Landtag.

Wilko Möller: Ja, genau.

Sollten Sie jetzt auch noch in den Bundestag ziehen? Wird das nicht zu viel an Jobs?

Absolut nicht. Es ist natürlich klar, dass ich das Landtagsmandat dann aufgebe… nicht aufgebe, sondern übergebe an eine sehr kompetente Nachzüglerin. Die ist Listenplatz 12 gewesen, glaub ich. Das ist Frau Dr. Oeynhausen, Ärztin von Beruf, meine Mitarbeiterin. Die ist schon eingewiesen wie das funktioniert im Landtag. Sie arbeitet halbtags für mich, und den anderen Halbtag arbeitet sie für den Bundestag. Von der Seite her ist sie die optimale Besetzung. Aber ich werde erst das Mandat aufgeben, wenn die Regierung sich gebildet hat. Nicht dass der Bundestag sich nach drei Monaten wieder auflöst, und dann Neuwahlen sind. Das Risiko gehe ich natürlich nicht ein.

Aber was ich machen werde, trotz meiner Bundestagstätigkeit, so Gott will, wie man so schön sagt, auf jeden Fall werde ich das Mandat hier in der Stadtverordnetenversammlung halten. Ich möchte wissen, was in der Stadt läuft. Das kriegt man am besten mit, wenn man einfach mitmacht, und zuhört. Das hat Thomas Nord ja auch gemacht, damals. Ich fand das gar nicht schlecht, dass er zumindest dabei war und sich mal angehört hat, was da für ein Irrsinn läuft. Das möchte ich beibehalten. Das ist auch gut für die Fraktion. Wir haben nicht so viele Nachrücker. Man muss da zusammenhalten. Die Stadtfraktion ist zu wichtig.

Zum AfD-Wahlprogramm: Dort beabsichtigt die AfD eine Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Ja.

Nachteil wäre natürlich, dass viele junge Menschen vom Arbeitsmarkt genommen und vom Staat besoldet werden. Welche Vorteile würden Sie aber sehen?

Na ja, die Wehrpflicht war die Schule der Nation, hat man mal zu westdeutschen Zeiten gesagt. Die Bundeswehr ist ja nicht nur eine Armee. Sie ist eine Parlamentsarmee, und sie sollte auch kontrolliert sein. Die Wehrpflicht war eigentlich so eine Art Kontrollfunktion - auch. Ich finde, eine Berufsarmee ist erstens nicht billiger, zweitens hat man nicht genug Soldaten. Wenn man zum Beispiel bei Katastrophenfällen wie in Ahrweiler oder in Nordrhein-Westphalen, in Rheinland-Pfalz schnell Leute rekrutieren muss, hat man relativ wenig. Vor allen Dingen hat man nicht vor Ort schnell viele Kräfte.

Und ich möchte gerne, dass die jungen Leute auch ein bisschen was lernen, was mittlerweile verloren gegangen ist: Ordnung, Disziplin, Gemeinschaftsgefühl, Teamgeist - das lernt man doch bei der Bundeswehr. Das wird zwar immer verneint. Die meisten, die beim Bund waren, sagen: Das ist alles Müll, Zeitverschwendung. Aber man lernt ja doch ein paar Sachen bei der Bundeswehr. Wenn man mit offenen Augen durch die Gegend geht bei der Bundeswehr, vielleicht bleiben ein paar Leute mehr hängen. Die Bundeswehr hat richtige Nachwuchsprobleme. Und die müssen ja größer werden. Die internationale Lage wird ja nicht sicherer.

Die Friedenszeiten - seien wir mal ehrlich - sind vorbei. Wir brauchen wieder eine Reserve, die im Ernstfall rekrutiert werden kann. Und mit der Waffe umzugehen, das hat noch niemandem geschadet, finde ich zumindest. Ich hab es bei der Polizei auch gelernt. Und ich meine, Ordnung, Disziplin - das ist alles verloren gegangen. Die lernen das zu Hause nicht mehr richtig. Die Familienstrukturen sind auch ziemlich gelockert. Wir haben viele Ausländer, die integriert werden müssen. Warum sollen sie nicht was für dieses Land tun, wenn sie von diesem Land viel bekommen? Und es ist auch integrationsfördernd, finde ich. Deswegen ist die Wehrpflicht eigentlich überfällig. Ich bin dafür, sie wieder einzuführen.

Im Wahlprogramm steht allerdings auch, dass die Wehrpflicht nur für Deutsche ohne zweite Staatsbürgerschaft gelten soll.

Das ist unbenommen. Deutscher ist jeder, der den deutschen Pass hat, im Sinne des Grundgesetzes 116. Ich finde das gut. Die meisten Flüchtlinge oder Ausländer, die sich integrieren, kriegen die deutsche Staatsbürgerschaft. Dann ist doch alles in Ordnung. Nur, ich bin auch dagegen, dass es Mehrfachstaatsbürgerschaften gibt. Bin ich kein Freund von. Man kann sich nicht nach dem Motto: „Heute gefällt mir das Land gut, morgen das. Ich wechsle hin und her. Ich bin jetzt Türke und Deutscher, und mach meine Wehrpflicht in der Türkei.“ Finde ich nicht gut. Man muss sich entscheiden. Es gab mal das Modell, dass man sich mit einem bestimmten Alter entscheiden muss. 21 oder 27 war es, glaube ich. Da hat man sich für eine Staatsangehörigkeit entscheiden müssen. Und ich finde das nicht gut, dass man sich hier immer die Rosinen rauspickt. Ich finde, man muss sich für einen Staat entscheiden. Dauerhaft.

Weitere Sache, die Ihre Partei im Wahlprogramm erwägt, ist entweder ein Austritt aus der Europäischen Union, oder eine Reform der Europäischen Union als reines Wirtschaftsbündnis. Welche der beiden Versionen wäre Ihnen lieber?

Also, ich muss ganz ehrlich sagen, das war ein Paukenschlag beim Bundesparteitag. Ich hab dagegen gestimmt, weil die Formulierung ein bisschen blöd war. Der Dexit ist ja eine Ultima Ratio. Wenn nichts anderes mehr geht, und alle Verhandlungen festgefahren sind, und die Deutschen sich da jedes Mal wieder über den Tisch ziehen lassen, und die Franzosen auf ihrem Recht beharren, und die Südländer auf ihrer Art und Weise, mit Geld umzugehen, dann muss der Dexit auch als Druckmittel möglich sein, als letzte Maßnahme, wenn nichts anderes mehr geht. Man sollte zumindest aus dem Euro erstmal aussteigen. Weil dieser Euro ist tot.

Das war gestern auch bei dieser Diskussion so schlimm, bei den Unternehmern in Fürstenwalde. Da saßen all die Kandidaten, und haben für die Europäische Union: „Deutschland profitiert. So toll von der Union...“ Ist nicht so toll. Die normalen Bürger profitieren nicht davon. Seitdem wir die D-Mark nicht mehr haben, muss man ganz ehrlich sagen, ist der Wohlstand in Deutschland nicht mehr gewachsen. Und durch diese Europäische Union ist nicht nur der Warenverkehr ohne Grenzen, sondern jetzt auch der Personenverkehr. Die Arbeitskräfte sind ja jetzt so austauschbar, wie es nicht mehr geht. Damit ist alles vergleichbar geworden.

Dann ist auch das Problem, dass wir in Deutschland hohe Steuern haben. Wir sind also zu teuer. So ist Europa zu einer Art Katalysator geworden für immer mehr Billigarbeitskräfte. Unsere Löhne steigen nicht mehr. Sie passen sich europäischem Mittelmaß an. Und das war früher so nicht. Wir wollen die Europäische Union zurückführen auf eine Gemeinschaft nationaler Staaten, die ganz viele Selbstbestimmungsrechte haben. Und nur was ein kleiner Staat wie Deutschland, wie Frankreich oder die Niederlande nicht lösen kann, dass man sich da Europa wieder bedient und gemeinsame Bündnisse schließt, wie die Nato, zum Beispiel.

Dieses Zurückführen auf die Europäische Gemeinschaft, wie sie hieß, früher, das ist das Ziel. Und wenn das nicht möglich ist, muss man wie die Briten austreten. Ich bin gespannt, ob die Briten wirklich große Nachteile haben werden, wenn sie ein paar Jahre aus der Europäischen Union ausgetreten sind. Da bin ich wirklich gespannt auf diese ganze Angstmacherei, die in der Regierung gemacht wird, und die Leute die sagen, die Europäische Union sei unser Rettungsanker. Das ist nicht unser Rettungsanker.

Wissen Sie, was mich stört an dieser Europäischen Union? Wenn man sich damit befasst? Wenn man sich mit Abgeordneten unterhält, die im Europäischen Parlament sitzen? Da gibt es 50.000 EU-Beamte, die bestimmen, was 450 Millionen Menschen machen. Das ist fast alles nicht demokratisch legitimiert. Die machen die Grenzwerte für die Autos. Die sagen einfach Bescheid, wann eine Glühbirne abgeschafft wird. Die haben einen Migrationspakt international beschlossen, und wollen - es gibt das Resettlement-Programm - dass man massiv den afrikanischen Bevölkerungszuwachs abschöpft und in Europa ansiedelt. Mit unserer Demokratie hier in Deutschland ist das nicht abgesprochen. Das heißt, die Europäer, die Deutschen insbesondere, werden nicht gefragt.

Man hat europäische Verträge gemacht; die werden jetzt reihenweise gebrochen. Die Europäische Union kann jetzt Schulden aufnehmen. Das war nie abgesprochen. Die Bevölkerung will das gar nicht. Sie versteht das auch gar nicht, wenn sie sich nicht damit befassen will oder die Zeit hat, sich damit zu befassen. Deutschland als größter Nettozahler ist auch der größte Schuldner. Das heißt, wir müssen für andere Staaten die Schulden tilgen. Das wollen wir einfach nicht. Wir wollen eine Unterbrechung machen, dass die Europäische Union sich erstmal sortiert. Dieses undemokratische von oben herab Befehlen - das ist doch irre. Deshalb meine ich, und da bin ich auch mit der AfD konform, in dieser Beziehung, dass man verhandeln muss. Dass man sagt: Entweder man macht eine unabhängige Zentralbank, die wirklich unabhängig ist, die nicht die Interessen der Südländer vertritt, und nicht die Meinung der Merkel vertritt, dass man jetzt den anderen Staaten helfen muss. Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft. Es gibt nur Interessensgemeinschaften.

Und wie immer behauptet wird, die Europäische Union wär ein Friedensprojekt, das ist doch völliger Unsinn. Die Nato ist ein Friedensprojekt. Im Endeffekt ist die Nato für äußere Sicherheit zuständig. Die Europäische Union ist gar nicht verteidigungsfähig ohne die Amerikaner. Deswegen bin ich der Meinung, man muss die Europäische Union wieder auf das konzentrieren, wofür sie mal da war: Die Wirtschaft zu vereinfachen. Aber dieser uneingeschränkte Austausch von Personalkräften, der uneingeschränkte Eingriff in die Souveränität der Nationalstaaten, das muss weg. Da müssen wir wieder zurück in die alten Strukturen. Da haben wir sehr gut gelebt. Vor der Wende, als die EU noch nicht so stark war, haben wir als Westdeutschland sehr gut damit umgehen können. Da wollen wir wieder zurück.

Mir ist aufgefallen, dass ein Ziel gleich dreimal im Wahlprogramm steht, und zwar ist das die Fertigstellung der Ostseeerdgasleitung Nord Stream 2. Warum ist der AfD dieses Projekt, was ja eigentlich…

Hoch umstritten ist.

Ja, genau. Außerdem ist es ja eigentlich nicht direkt unser Projekt. Das ist ein russischer Staatskonzern geleitet von Gerhard Schröder. Warum ist das so wichtig für die AfD?

Für die AfD ist das wichtig, weil das auch ein Zeichen setzt. Natürlich, Gerhard Schröder ist eine Sonderperson, weil erstens SPD, zweitens Bundeskanzler, drittens sehr gut mit Putin befreundet. Alles gut. Kann man akzeptieren, kann man nicht akzeptieren, kann man nur zur Kenntnis nehmen. Das ist Vergangenheit. Aber uns ist diese deutsch-russische Zusammenarbeit unheimlich wichtig. Wir wollen immer noch so eine Art Unabhängigkeit bei der Energieversorgung haben. Wir werden erfahren, dass wir irgendwann, wenn diese Wahnsinnigen in der Regierung und die anderen Parteien so weiter machen, die ersten Stromausfälle hier haben. Wir steigen aus der Atomkraft aus. Wir steigen aus der Kohle aus. Wir steigen eigentlich aus allen fossilen Brennstoffen aus. Der Verbrennungsmotor wird abgeschafft. Es ist irre.

Ich habe es auch bei anderen Parteien in Diskussionen gesehen. Das ist nur noch Ideologie, nur noch der Glaube. Ob es umsetzbar ist, interessiert sie nicht, weil sie alle Strom kriegen. Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier passiert, wenn vier Stunden der Strom komplett ausfällt. Dann gehen die ersten Plünderungen los. Dann geht hier richtig die Rakete ab. Man muss sich mal vorstellen, wenn alle Leuchten aus sind. Nachts. Was dann in Deutschland passiert. Das wird hochgradig gefährlich und spannend. Ich glaube, es gibt eine Studie: vier Stunden - dann geht hier der Terror los.

Das wollen wir vermeiden. Deshalb wollen wir eine Energieunabhängigkeit, und wollen dieses Gas mit den Russen zusammen verbrauchen, auf jeden Fall mit den Russen zusammenarbeiten. Weil, die Russen sind verlässlich. Das muss man sagen, wie es ist. Die haben die Verträge immer eingehalten.

Aber die Energieunabhängigkeit haben wir schon. Es gibt ja schon eine Nord Stream 1, und mehrere Überlandleitungen.

Ja, aber Sie haben ja gehört, dass die Grünen und die Roten, insbesondere auch die Merkel, Laschet, man weiß ja nicht, wer das Ruder übernehmen wird, die wollen aus dem Verbrennungsmodus raus und von Gas weg. Die wollen von allem weg, was verbrennt. Die wollen sogar den grünen Stahl in Eisenhüttenstadt umsetzen. Wie das gehen soll, ist mir schleierhaft, weil die Technologie noch gar nicht so weit ist. Wenn das diesen Leuten in Eisenhüttenstadt zu bunt wird, habe ich gehört, hauen die sowieso ab. Wenn die CO2-Steuer nochmal erhöht wird, dann werden die den Stahl woanders produzieren. Nicht mehr in Deutschland. Also, ich sehe da schwarz. Deswegen: Wir wollen mit den Russen auf jeden Fall zusammen arbeiten. Und Nord Stream, das hat mehr schon einen Symbolcharakter, als dass man wirklich die Energieversorgung… Da steckt Symbolik dahinter. Da steckt Politik dahinter. Wir wollen mit den Russen zusammen arbeiten.

Würden Sie auch einseitig die Sanktionen kündigen, ohne Entgegenkommen von Putin?

Wo wollen wir Herrn Putin denn entgegen kommen?

Dass er zum Beispiel aufhört, sich in der Ukraine einzumischen.

Sie müssen bedenken: Das ist eine ganz andere Lage. Die Ukraine war lange ein Teil der Russischen Föderation, und lange ein Teil der Sowjetunion. Wir sollten uns da nicht einmischen. Das müssen die Russen selbst entscheiden, ob sie unabhängig werden wollen, und die Ukrainer. Ich halte es für falsch, sich da einzuordnen, den Doktrin der Amerikaner und wer auch immer das bestimmt. Denn wir schaden uns mit den Sanktionen ja auch selbst. Ich würde sagen, das müssen die Russen und die Ukrainer selbst ausmachen. Völker, die nicht zusammen passen, das haben wir in Jugoslawien gesehen, irgendwann löst sich das von selbst.

Jedes Einmischen von außen halte ich da für falsch. Wie in Afghanistan. Wir hätten da gar nichts machen sollen. Das war der größte Fehler. Das sehen andere anders. Aber das war einer der großen Fehler unserer Regierung Merkel, Kohl. 60 Soldaten sind umsonst gestorben. 59. Das ist eine Katastrophe. Und ich finde auch, jeder Politiker der die Bundeswehr im Ausland einsetzt sollte zur Polizei gehen und mitmachen, wenn man Todesnachrichten übergibt, wenn man sagt: „Ihr Sohn, Ihr Familienvater ist gestorben.“ Wenn sie das gemacht haben, und einigermaßen psychisch überlebt haben, dann werden sie Einsätze weniger befehlen. Ich finde es abartig, wie die Bundeswehr in Mali eingesetzt wird. Oder diese würdelose Rückkehr der Bundeswehr vom Afghanistaneinsatz. Ich fand das schon erbärmlich.

Ich hab das bei der Polizei erlebt, das Überbringen von Todesnachrichten. Das ist Hardcore. Das sollten sich Politiker, die Soldaten in Auslandseinsätze schicken, immer vor Augen führen. Was sie den Leuten antun, auch wenn die dafür ausgebildet und ausgerüstet sind. Trotzdem, jeder Einsatz ist hochgradig gefährlich. Man muss ganz genau abwägen, ob es das wert ist.

Für eine Frage hab ich noch Zeit: Warum ist Ihr Bild auf dem Wahlplakat so unscharf?

Dieses Bild ist entstanden bei so einem Foto Shooting, sagt man auf Englisch. Es ist einfach so. Viele sagen, das Foto kommt gut an. Weil, die Leute sollen wählen. Die sollen sich entscheiden, ob dieses Land so weiter regiert wird. Man wollte den Kopf scharf haben. Dabei ist der Finger unscharf geworden.

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