Interview mit Cindy Rosenkranz

Vor der Bundestagswahl sprach Oderland.news mit der Frankfurter Veranstaltungskauffrau Cindy Rosenkranz, Direktkandidatin der PARTEI.

Interview mit Cindy Rosenkranz

Georg Langer: Cindy, wenn du in den Bundestag einziehst, musst du nach Berlin pendeln. Ist sowas überhaupt zumutbar?

Cindy Rosenkranz: Ja, es ist zumutbar. Ich kenn das schon, bin jahrelang gependelt. Das wäre für mich kein Problem. Das Schöne ist: Man bekommt so viel Geld im Bundestag, dass man auch ein Büro in Frankfurt (Oder) aufmachen und von da aus arbeiten kann.

Der Abgeordnete der PARTEI im Europaparlament stimmt immer abwechselnd mit Ja oder Nein. Hast du das im Bundestag auch vor?

Tatsächlich nicht, nein. Ich nehme das ein bisschen ernster, weil ich da ja auch für eine gewisse Ernsthaftigkeit einziehe. Dort geht es mir vor allem auch um die Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten für Tätowierer, für Gastro-Leute, für Event-Leute. Wenn es um die Themen geht, werde ich ernster sein. Mal schauen. Wir haben uns noch keinen Schlachtplan gemacht, wenn wir im Bundestag sitzen.

Brauchen die anderen Parteien, wenn man die sich heutzutage so anguckt, überhaupt noch eine Parodie?

Die machen die von ganz allein. Eigentlich sind wir mittlerweile die Ernsthaften. So fühlt es sich manchmal an. Wenn man hier in Frankfurt (Oder) in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, da bin ich ja auch tätig, frage ich mich manchmal, ob ich der Witzbold sein soll oder die anderen.

Das Grundgesetz hat 141 Artikel in der Ausgabe, die ich habe, über 300 Seiten verteilt. Kann man das der Umwelt zuliebe nicht irgendwie abkürzen, vielleicht mit Emoticons?

Man könnte es definitiv schon mal digitalisieren, anstatt auf Papier zu bringen. Wir sind ja Deutschland, eins der fortschrittlichsten Länder der Welt. Das hat man natürlich im Lockdown nicht so gemerkt, in puncto Digitalisierung und Home Office. Aber ja, man könnte es auch durch Emoticons ersetzen, und Hundewelpen.

In letzter Zeit wurde, gerade hier in der Gegend, das Leben viel sicherer. Wir haben neue Verbote, die uns vor den Gefahren des Stadtwalds schützen, des Helenesees, der Tanzschuppen und Kneipen. Dennoch sehe ich immer noch Todesanzeigen in den Zeitungen. Was muss man noch verbieten, damit das endlich aufhört?

Tja, das ist eine richtig gute Frage. Spaß haben wir ja keinen mehr. Ich kann es dir nicht sagen.

Noch einmal zur Frankfurter Lokalpolitik. Da fordert die PARTEI seit langem einen Weltraumbahnhof in Neuberesinchen.

Ja.

Wenn es so weit ist, sollten wir dann bestimmte Planeten eingemeinden?

Definitiv. Merkur ganz besonders. Dort sind, soweit ich weiß, noch nicht ganz so viele Bewohner. Dort könnten wir auf jeden Fall die AfD hinschicken, finde ich. Weit weg. Dann haben wir hier kein Problem mehr.

Der Bundestag. Im Stile des allgemeinen Genderns: Sollte es weiterhin „der Bundestag“ heißen?

Nein, „die Bundestagin“ wäre schon super.

Bundestagin mit Sternchen, oder mit großem „I“?

Mit großem „I“.

Und - Entschuldigung, jetzt nochmal zurück zur ernsthafteren Sache - für welche Themen willst du dich ernsthaft stark machen, falls du in den Bundestag einziehst?

Was wir gemerkt haben im letzten Jahr, im Lockdown, dass Bereiche wie Kultur und Veranstaltungsbranche nicht ernst genommen worden sind, obwohl sie einen riesigen Zweig der Wirtschaft ausmachen. Der ist sehr mannigfaltig, dieser Bereich. Ich finde, dort wird auf jeden Fall eine Lobby im Bundestag benötigt. Die gab es nicht. Der einzige, der sich da ab und zu mal blicken ließ war Christian Lindner, und das passt irgendwie in meinen Augen so gar nicht zusammen. Aber ja, der war immer auf den Alarmstufe-Rot-Demos zu sehen. Ich natürlich auch, aber ich bin ja noch nicht im Bundestag. Deshalb gab es dazu keine Presse.

Das ist auf jeden Fall eine Sache, der ich mich gerne annehmen möchte. Dort fehlt es an allen Ecken. Dann geht es weiter mit körpernahen Dienstleistungen: Tätowierer, Kosmetiker. Natürlich habe ich auch viele Freunde in diesen Bereichen, und habe gemerkt, dass die völlig unter den Tisch gefallen sind, weil sie Arbeitsverbot hatten. Gerade im Bereich Tattoo. Das war sehr schwierig, dort überhaupt Hilfen zu bekommen. Die konnten monatelang nicht arbeiten, weil dieser Beruf nicht als Beruf angesehen wird, was ein Riesenproblem darstellt. Das sind alles Punkte, die mich ernsthaft interessieren, und für die ich auch stehe.

Was ich nicht gerne mache, ist irgendwelche Floskeln auf Plakate zu schreiben. „Wir müssen das Klima retten.“ Ja, das weiß ich. Jeder Mensch mit ein bisschen Verstand weiß, dass dort Dinge getan werden müssen. Aber wir bilden ja zum Glück eine Front aus Experten. Ich muss nicht zu Dingen öffentlich meine Meinung sagen, von denen ich keine Ahnung habe. Da kann ich dann Leute fragen, wenn es um Abstimmungen geht. Dinge die völlig klar sind, und zu einem vernünftigen Verstand gehören sollten, brauch ich nicht auf Plakate setzen oder in mein Wahlprogramm schreiben. Das sind trotzdem Dinge - weil ich darauf öfter angesprochen werde - die wir natürlich ernst nehmen. Wo Dinge passieren müssen.

Was genau kann man machen, um die Kultur zu retten?

Aktuell ist es so, dass in jedem Bundesland andere Konzepte für Tanzlustbarkeiten, wie man sie gerne nennt, herrschen, die nicht umsetzbar sind. Zum Beispiel zehn Quadratmeter pro Person in Innenräumen für Tanzveranstaltungen. Wie stellt man sich das vor? Es sitzen Leute dort, die Entscheidungen treffen, die scheinbar völlig realitätsfern sind, in meinen Augen keine Ahnung haben, weil sie wahrscheinlich 1950 das letzte Mal aus waren. Da muss angegriffen werden. Also gleiche Regeln für alle Bundesländer, wie umsetzbare Konzepte, schnellere Hilfen auch für Solo-Selbständige. Das war ja auch ein Riesenproblem. Diese ganze Branche besteht aus Solo-Selbständigen, die oft durchs Raster gefallen sind. Es ist natürlich auch eine eigene Sache. Deshalb ist es mir so stark aufgefallen. Dort muss auf jeden Fall etwas passieren.

Was kann man speziell in Frankfurt machen? Der letzte Schock war jetzt, dass wir nicht mehr an den Helenesee dürfen, wegen eines Sandrutsches im März.

Hör mal, das ist die absolute Katastrophe für den Tourismus hier. In Brandenburg auch. Für den Frankfurter war das ja auch immer ein Totschlagargument, hier wohnen zu wollen. Da muss auf jeden Fall was passieren. Da muss eine Ernsthaftigkeit bemerkbar werden von Seiten des Bundes, und auch natürlich von Seiten des Landes. Das heißt, so schnell wie möglich dort wieder Möglichkeiten zu schaffen, Gastronomie und Kultur am Leben zu erhalten.

Findest du, anlässlich der Sperrung des Helenesees, der Sperrung des Stadtwalds wegen der Schweinepest, die für Menschen ungefährlich ist, dass wir vielleicht verlernt haben, mit gewissen Risiken zu leben?

Ich denke schon. Es wurde uns eingetrichtert, uns vor jeder Gefahr weg zu ducken. Ich habe langsam das Gefühl, dass diese Schweinepestsituation eher etwas mit der Schweinelobby zu tun hat. Wir fragen uns - viele Menschen, die jetzt vielleicht nicht wissenschaftlich bewandert sind in dem Raum - was das für einen Sinn ergeben kann, wenn eine Krankheit, die nur ein Schwein betrifft, und die Wildschweine gerade auf Null dezimiert werden sollen, was auch völlig hirnrissig ist, wem wollen wir dann noch schaden mit dieser Schweinepest wenn wir in den Wald gehen? Es gibt kein Wildschwein mehr. Die ist nicht schädlich für mich. Die ist nicht schädlich für meinen Hund. Es gibt hier im Umkreis meines Wissens keine große Schweinefarm oder Masttierbetriebsstätte. Ich glaube, das kann der gemeine Frankfurter nicht nachvollziehen. Erst wird einem das weggenommen, und dann das, und jetzt haben wir noch das.

Eine andere Frage fällt mir gar nicht mehr ein. Hast du noch ein Schlusswort für die Leser?

Ja. Wählt die PARTEI!

Warum?

Sie ist sehr gut.

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