Protest des Kosmetikhandwerks

Am Freitag, dem 26. Februar 2021 demonstrierten Kosmetikerinnen und Kosmetiker für die Öffnung ihrer Geschäfte.

Protest des Kosmetikhandwerks

Seit Anfang November 2020 können viele Berufszweige in Brandenburg nicht arbeiten. Die Corona-Verordnung der Landesregierung verbietet es. Ab 1. März 2021 dürfen Friseurläden wieder öffnen. Kosmetikerinnen und Kosmetiker dürfen das zum Beispiel in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, aber nicht in Brandenburg. Das am 23. Februar 2021 veröffentlichte Öffnungsszenario der Landesregierung erwähnt dieses Handwerk erst unter der dritten von vier geplanten Stufen, und ohne Zeitangabe.

Dutzende Kosmetikerinnen und Kosmetiker protestierten am Freitag, dem 26. Februar 2021 gegen diese Benachteiligung. Sie versammelten sich um 11 Uhr vor dem Oderturm in Frankfurts Zentrum. Das Motto der Kundgebung lautete: Kosmetik ist Gesundheitspflege. „Wir haben leider jetzt noch keine Perspektive, wann wir wieder arbeiten dürfen“, sagte Organisatorin Anika Breetsch vor Ort. „Wir haben Akne-Patienten, wir haben Kunden die Schuppenflechte haben, die Probleme haben mit der Haut und sehr darunter leiden. Wo es auch wirklich um das Wohlbefinden geht.“ Als weiteres Beispiel nannte Breetsch gelähmte Kundinnen und Kunden, die ihre Nägel nicht selbst kürzen können. Außerdem sei die Ansteckungsgefahr in Kosmetikerläden gering. „Wir haben sehr strenge Hygienekonzepte, wir können mit einem einzigen Kunden allein in der Kabine arbeiten.“

„Ich kann die Argumente sehr, sehr gut nachvollziehen“, sagte Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Die Linke) am Rande der Kundgebung. „Die Öffnungsschritte, die jetzt passieren, müssen natürlich gut abgewogen werden. Wir müssen immer den Infektionsschutz, den ich in keinster Weise kleinreden will, in Vereinbarung bringen mit den berechtigten Interessen der Menschen auf ihr Lebensgefühl, aber auch medizinische Interessen, die hier auch eine Rolle spielen, und wirtschaftliche Interessen, und natürlich den sozialen Belang.“ Kosmetikerinnen und Kosmetiker haben der Bundesregierung deutlich gemacht, dass sie medizinisch notwendig sind, erklärte Wilke gegenüber Oderland.news.

„Und zweitens haben sie auch den Nachweis geführt, dass sie schon vor der Pandemie, aber erst recht in der ersten Phase der Pandemie, Wege gefunden haben, um sehr gut eingestellt auf diese Lage mit hohen Hygieneauflagen die Kunden zu betreuen“, so der Oberbürgermeister. „Insofern sehen wir das als sehr starke Argumente, und haben uns der Position auch angeschlossen, weil wir als Stadt, wir haben bei unseren Allgemeinverfügungen, die wir gemacht hatten - aktuell gilt ja nur die zu den Schnelltestungen - haben wir auch immer das Friseurhandwerk und die Kosmetikerinnen und Kosmetiker gleichlaufend behandelt.“ Wäre es seine Entscheidung, würde er es so regeln, sagte Wilke. „Also wir als Stadt hätten dann auch gesagt: Friseure und Kosmetiker zeitgleich. Bund und Land haben sich da für einen anderen Weg entschieden. Insofern können wir diese Forderung hier mittragen.“

Auch der Stadtverordnete Jan Augustyniak (Die Linke) solidarisiert sich mit dem Protest. „Kosmetiker/innen mussten im Frühjahr 2020 mit als Erstes die Geschäfte schließen und dürfen aller Voraussicht nach mit als Letzte wieder öffnen“, kritisiert Augustyniak in einer Internetbotschaft. „Eine weitere Schließung der Betriebe kann man aus meiner Sicht nur verantworten, wenn ein Mindestbetrag für den Lebensunterhalt bereitgestellt wird und die Krankenkassenbeiträge vollständig übernommen werden, zusätzlich zu den Fixkostenzuschüssen. Wir müssen die Pandemie gemeinsam bewältigen, niemand soll daran verdienen, niemand darf aber auch unverschuldet sein Unternehmen, ganz egal welcher Berufszweig, verlieren und in Hartz 4 landen.“

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