„Ressourcen ziemlich ausgereizt“

Einen Monat nach Zulassung des Pfizer-Impfstoffs bekamen Frankfurt, Märkisch-Oderland und Oder-Spree am 20. Januar 2021 ein Covid-19-Impfzentrum.

„Ressourcen ziemlich ausgereizt“

Die kassenärztliche Vereinigung Brandenburg eröffnete am Mittwoch, dem 20. Januar 2021 das Covid-19-Impfzentrum in der Messehalle 1, Messering 3 am Frankfurter Stadtrand. „Es ist das fünfte Impfzentrum im Land Brandenburg, das wir heute eröffnen“, sagte Andreas Schwark, Vorstand der kassenärztlichen Vereinigung vor Ort. Die Johanniter-Unfall-Hilfe leitet das Zentrum mit insgesamt sechs Impfstationen. „Wir fangen in dieser und in der nächsten Woche mit dreien an“, so Schwark. Grund sei Knappheit des Impfstoffs, „dessen Lieferung noch nicht so konsistent ist wie wir uns das vorstellen.“

Zur besseren Erreichbarkeit des Impfzentrums richtete die Stadtverkehrsgesellschaft eine zusätzliche Bushaltestelle „Messehalle“ ein. Einmal stündlich halten dort die Linien 980 und 987. Dafür entfällt die Haltestelle „Friedrich-Ebert-Straße“. Diese Änderung gilt bis zum 30. Juni 2021. Sonntags verkehrt Linie 980 nur alle zwei Stunden, und Linie 987 überhaupt nicht. Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Die Linke) findet das ausreichend, und lehnt eine engere Taktung ab. Von der Straßenbahnhaltestelle „Messegelände“ ist das Impfzentrum ungefähr zehn Minuten Fußmarsch entfernt.

Uwe Kleiner vom Regionalverband Oderland-Spree der Johanniter-Unfall-Hilfe geht davon aus, dass im Höchstfall 60 Impfungen pro Stunde möglich wären. „Wir haben zirka 80 bis 100 Mitarbeiter, die im oder und mit dem Impfzentrum tätig sein werden“, sagte Kleiner bei der Eröffnung. Drei mobile Impfteams sind schon in Frankfurt unterwegs, um über 80-Jährige in Altersheimen zu impfen. „Mit den stationären Einrichtungen in Frankfurt sind wir einmal durch“, berichtet der städtische Gesundheitsdezernent Jens-Marcel Ullrich (SPD). Im Klinikum Markendorf wurde ebenfalls schon geimpft.

Der Landrat von Oder-Spree Rolf Lindemann (SPD) wollte ursprünglich ein eigenes Impfzentrum in seinem Landkreis. Allerdings riet ihm die kassenärztliche Vereinigung davon ab, „da im Moment die Ressourcen ziemlich ausgereizt sind.“ Damit meint Lindemann nicht nur den Mangel an Impfstoff, sondern auch an Ärzten. „Ohne Wolle kann man nicht stricken“, erklärte der Landrat. Somit ist das Impfzentrum in Frankfurt (Oder) auch für die Landkreise Oder-Spree und Märkisch-Oderland zuständig. Einer der Ersten, die im neuen Zentrum geimpft wurden, ist Kurt Juhl aus Eisenhüttenstadt. Vier Tage lang rief der Rentner täglich zehn- bis fünfzehnmal die Nummer 116 117 an, bis er den Termin bekam.

Aufgrund der am Freitag, dem 15. Januar 2012 bekannt gewordenen Lieferprobleme beim Hersteller Pfizer erhält Brandenburg nächste Woche 25 Prozent weniger Impfstoff als angekündigt. Diese Reduzierung wird bis Mitte Februar nicht kompensiert. „Die jetzt vorliegenden Informationen zum weiteren Lieferzeitplan und Lieferumfang des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs sind nicht zufriedenstellend“, erklärt Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Grüne) in einer Pressemitteilung. Auch von der Firma Moderna bekommt Brandenburg weniger Impfstoff als erwartet. „Die heute vom Bundesgesundheitsministerium den Ländern angekündigten Veränderungen bei der Auslieferung bei Moderna beunruhigen mich“, teilt Nonnemacher mit. „Das ist innerhalb weniger Tage der zweite Fall, dass sich die Länder auf gemachte Zusagen nicht voll verlassen können.“

Der wegen Experimenten an nigerianischen Kindern und unlauterer Werbung umstrittene Pfizer-Konzern exportiert den in Deutschland hergestellten Corona-Impfstoff weltweit. Zum Beispiel hat Israel bereits über dreißig Prozent seiner Bevölkerung mit dem Pfizer-Produkt geimpft, Großbritannien sieben Prozent, Deutschland erst 1,5 Prozent.

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