Arztpraxen sollen impfen dürfen

Brandenburgs kassenärztliche Vereinigung setzt sich dafür ein, dass auch Arztpraxen erlaubt wird, gegen die Erkältungskrankheit Covid-19 zu impfen.

Arztpraxen sollen impfen dürfen

Bisher sind Corona-Impfungen nur über Impfzentren, mobiles Impfen und Krankenhäuser erhältlich. Paragraph 6 der Corona-Impfverordnung verbietet Impfungen in Arztpraxen. In einem Positionspapier fordert die kassenärztliche Vereinigung Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) auf, das zu ändern. Von der Bundesregierung verlangt die Vereinigung, Lieferzusagen für Impfstoff einzuhalten.

Für Corona-Impfungen in Arztpraxen zählt das Positionspapier mehrere Gründe auf. So besuchen zirka 75 Prozent aller Brandenburgerinnen und Brandenburger mindestens einmal im Quartal eine Arztpraxis. Rund 1.900 Praxen und 2.600 ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte im Land verabreichen regelmäßig andere Impfungen. Über 600.000 Bürgerinnen und Bürger werden jedes Jahr in Arztpraxen gegen die Grippe geimpft. Diese Expertise wird in der Umsetzung der Impfstrategie bisher nur genutzt, wenn die Ärzte Dienst in Impfzentren oder beim mobilen Impfen übernehmen.

Vor allem Personen aus den nach der Corona-Impfverordnung priorisierten Gruppen gehen regelmäßig zum Arzt. Gerade alten und kranken Menschen bleibt durch eine Impfung in der Arztpraxis der mitunter schwierige Weg in ein Impfzentrum erspart. Die Ärzte kennen ihre Patienten am besten und wissen, wer zu den priorisierten Gruppen gehört und ob Kontraindikationen bestehen. Medizinische Aufklärung und die eigentliche Impfung wären ein Prozess beim Arztbesuch.

Laut aktueller Impfverordnung ist ab der Priorisierungsgruppe Zwei ein ärztliches Zeugnis vorzuweisen. Nur damit werden jüngere Personen mit Vorerkrankungen geimpft. Für dieses Zeugnis müssen die Betroffenen zunächst in die Arztpraxis kommen und sich anschließend einen Termin in einem Impfzentrum buchen. Eine Impfung direkt in der Arztpraxis würde eine deutliche Erleichterung bedeuten.

Impfungen in Praxen entlasten die Systeme der Terminvereinbarung für die Impfzentren. Impfzentren können dann freigehalten und effektiv genutzt werden, um in kurzer Zeit große Personengruppen wie Feuerwehr, Polizei oder Lehrkräfte zu impfen. Laut einer Berechnung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland könnten ab März die Kapazitäten der Impfzentren nicht mehr ausreichen, um alle verfügbaren Dosen zu verwenden. Schon jetzt landet übrig gebliebener Impfstoff mitunter im Müll, wie am 22. Januar 2021 in Oranienburg, da er nur für derzeit Impfberechtigte verwendet werden darf.

„Mit den bestehenden Impfstrukturen allein lässt sich die Herdenimmunität bis zum Sommer nicht erreichen“, teilt Christian Wehry, Pressesprecher der kassenärztlichen Vereinigung mit. „Als Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg haben wir uns von Anfang an dafür eingesetzt, dass Corona-Impfungen auch in den Arztpraxen vorgenommen werden.“

Am 21. Dezember 2020 erteilte die Europäische Union dem ersten Corona-Impfstoff die Zulassung. Seitdem erhielten in Brandenburg 58.445 Menschen die zwei notwendigen Impfdosen. Das sind ungefähr zwei Prozent der Bevölkerung. Für die angestrebte Herdenimmunität müssen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden.

Logo