Bloß nicht setzen!

Nicht jede Notfallmaßnahme verdient Applaus, kommentiert Georg Langer.

Bloß nicht setzen!

Wir leben im Corona-Zeitalter, im Jahr des Klopapiers. Verständlich, dass Ministerpräsidenten, Landräte und Bürgermeister völlig frei drehen. Sie stehen unter enormem Druck, fast täglich neue Verbote zu erfinden. Sonst würden sie im globalen Überbietungswettbewerb zögerlich erscheinen. Leider fehlt vielen bisher die Größe, unverhältnismäßige, zweckwidrige und manchmal geradezu schildbürgerliche Entscheidungen zu überdenken.

Nehmen wir zum Beispiel das Kontaktverbot. Der Ministerpräsident untersagt das Betreten öffentlicher Flächen und Wege, mit Ausnahme von so ziemlich allem. Auch Spaziergänge bleiben erlaubt, aber nur mit Mitbewohnern oder einer anderen Person auf Abstand. Streng genommen bedeutet das, wenn jemand mit dem Kind unterwegs ist, darf niemand sonst in dieselbe Richtung laufen. Am See sitzen ist erlaubt mit einer Angel, strafbar mit einem Buch. Bänke können nämlich nur noch für kurze Verschnaufpausen genutzt werden. Wie lange so eine Pause dauert, entscheidet der das Bußgeld verhängende Beamte.

Im Supermarkt sollen wir möglichst mit Karte zahlen. Aber wir müssen neuerdings auch bei kleinen Beträgen die Geheimzahl eintippen. So fassen unzählige Leute eine Tastatur an, die den ganzen Tag niemand säubert. Und niemand weiß genau, wie die Schließung von Mülldeponien gegen ein Erkältungsvirus hilft. Dort findet traditionell kein enger zwischenmenschlicher Kontakt statt.

Weitere fragwürdige Anordnungen betreffen Grenzschließungen, den Ferienfahrplan im öffentlichen Verkehr und die Erhöhung der Heizkosten. Übrigens nervt kaum etwas die arbeitenden Menschen so sehr wie die ständigen Aufforderungen, zu Hause zu bleiben. Da muss einiges korrigiert, oder wie Politiker sagen, „nachgebessert“ werden.

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