Erhebliche Defizite bei der Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall

Am heutigen bundesweiten Warntag blieben vielerorts die Sirenen stumm oder warnten nicht, wie geplant. Auch die Warn-Apps schlugen vielfach nicht an.

Erhebliche Defizite bei der Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall

Über vielen Wochen war der bundeseinheitliche Warntag 2020 angekündigt. Dabei sollten um 11:00 Uhr die Sirenen in ganz Deutschland mit einem einminütigen auf- und abschwellenden Heulton die Bevölkerung vor einer fiktiven Katastrophe warnen. Gleichzeitige sollte die Bevölkerung über die verschiedenen Warn-Apps, wie KATWARN oder BIWAPP, sowie über Funk und Fernsehehn über die Gefahrenlage informiert werden. Doch in Märkisch-Oderland blieben vielerorts die Sirenen stumm, oder gaben nicht das angekündigte Signal. Nachdem kompletten Ausbleiben des Warnsignals in Müncheberg um 11:00 Uhr, kam bei der Entwarnung um 11:20 Uhr anstatt des einmütigen Dauertons nur ein einmaliges Aufheulen über 12 Sekunden, was üblicherweise in dieser Form ein gewöhnlicher Probealarm ist. Um 11:22 Uhr folgte dann in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree noch einmal der normale Probealarm, wie er üblicherweise an jedem ersten Mittwoch im Monat erfolgt. Nach ersten Informationen soll dies dann besser funktioniert haben. Das lag jedoch daran, dass diese Alarmierung über den jeweiligen Landkreis erfolgte und nicht, wie in den ersten beiden Fällen vom Bund.

Wie aus Fachkreisen zu erfahren war, seien die vielen „stummen Sirenen“ erwartbar gewesen, da diese schlicht und einfach unvollständig programmiert waren. Die meisten Sirenen kennen demnach nur den Feueralarm und den Probealarm. Das Signal zur Warnung der Bevölkerung vor Katastrophen sowie die dazugehörige einminütige Entwarnung waren somit nicht alarmierbar. Der Pressesprecher vom Landkreis Märkisch-Oderland zeigte sich jedoch in einer ersten telefonischen Stellungnahme zufrieden. „Das war genau das Ziel dieser Übung, nämlich Schwachstellen und Lücken zu finden und aufzuzeigen.“, so Thomas Behrendt. „Nun wissen wir woran wir arbeiten müssen.“ Doch nicht alle Schwachstellen könne der Landkreis abstellen. Insbesondere bei den Sirenen seien die Träger des örtlichen Brandschutzes, und das sind die jeweiligen Städte und Gemeinden, für die Ausstattung und Funktionsweise von Warneinrichtungen verantwortlich. Dieser Tag habe nun sehr deutlich gezeigt, dass mancherorts die Bevölkerung nur sehr eingeschränkt und zeitverzögert gewarnt werden kann. In Abstimmung mit den Städten und Gemeinden erfolgt jetzt erst einmal eine Auswertung der Übung, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. „Fest stehe aber schon jetzt, dass einiges zu tun ist.

Warn-APP funktionierte nicht - Betreiber sehr verärgert

Der Betreiber der Warn-App BIWAPP, welche vom Landkreis Märkisch-Oderland genutzt wird, zeigte sich über den heutigen Tag sehr verärgert und wandte sich in einer eigenen Presseerkläung an Bevölkerung. Darin heißt es, dass sich das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nicht an die Absprachen gehalten hätte. Vereinbart war, dass das Bundesamt eine bundesweite Meldung zentral erstellen und versenden würde. Denn sowohl vor dem vereinbarten Zeitpunkt um 11:00 Uhr, als auch um 11:00 Uhr selbst, hätten zahlreiche regionale Leitstellen eigene Meldungen und Hinweise sowie eigene Probewarnungen versendet und so für eine unnötige Last gesorgt. Damit war das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe selber nicht mir in der Lage, die eigene bundesweit gültige Warn-Meldung zu versenden. Dies gelang dann erst gegen 11:40 Uhr. Doch zu diesem Zeitpunkt hätten aber zahlreiche Leitstellen erneut eigene Meldungen ins BIWAPP-System gespielt, dies zum Teil sogar mehrfach. Hinzu kamen dann auch noch die Meldungen über die Entwarnungen. Letztendlich war das System so überlastet, dass die Schnittstelle zu deaktiviert wurde. Mittlerweile hätte sich das Bundesamt beim Warn-App-Betreiber entschuldigt.

Auch wenn das Versagen der Warn-Apps viele verärgert, so zeigt es doch, dass solch ein bundesweiter Test richtig und wichtig war. Denn nur so konnte erkannt werden, dass die Apps der großen Beanspruchung in einer Katastrophenlage nicht stabil standhalten. Für die Verantwortlichen in der Politik gibt es bis zum Warntag 2021 viel zu tun.

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