Abgeordnete der Bündnisgrünen besuchen Obstbauversuchsanstalt

Die Landtagsabgeordneten Isabell Hiekel und Sahra Damus von Bündnis 90/Die Grünen waren am Donnerstag 4. Juni 2020 zu Gast in der Obstbauversuchsanstalt Müncheberg.

Abgeordnete der Bündnisgrünen besuchen Obstbauversuchsanstalt

Nachdem der Fortbestand der Obstbauversuchsanstalt in Müncheberg (Märkisch-Oderland) lange Zeit auf der Kippe stand, gehört diese nun seit dem 22. Juli 2019 organisatorisch zur Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik, kurz LVGA, in Großbeeren. Das nahmen nun die Landtagsabgeordneten der Bündnisgrünen Sahra Damus sowie Isabell Hiekel, sie ist auch agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, zum Anlass, sich ein aktuelles Bild von der Lage vor Ort in Müncheberg zu verschaffen. Begleitet wurden sie dabei von Vertretern der LVGA, von Obstlandwirten aus Brandenburg sowie Mitgliedern der „Initiative für den Wiederaufbau der Obstbauversuchsstation“.

Dr. Hilmar Schwärzel, wissenschaftlicher und organisatorischer Leiter der Obstbau- Versuchsstation Müncheberg, führte die Besucher über das weiträumige Gelände und erläuterte die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Dazu gehört u.a. die Qualität der Böden über lange Zeiträume hinweg auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Mit etwas Stolz präsentierte Schwärzel den sogenannten „Müncheberger Damm“, der aus Sägespänen besteht und über den die Obstgehölze mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Darüber hinaus entstehe dadurch ein Mikroklima, was sich positiv auf die Erträge auswirkt. Aber auch andere Faktoren, wie das Vorhandensein von Windschutzhecken oder die Kombination von Setzling und Unterlage in der Veredlung seien im Obstbau wichtige Punkte, die es zu beachten gilt.

Selbstversorgungsquote mit Obst liegt in Deutschland bei rund 13 Prozent

„Die Selbstversorgungsquote sei in Deutschland extrem niedrig“ sagt Holger Schulz, Geschäftsführender Leiter der LVGA in Großbeeren, im Gespräch. Und angesichts einer immer wichtiger werdendenden Betrachtung der Klimabilanz, könnte und müsste viel mehr im eigenen Land produziert werden. Doch dafür bedarf es Grundlagenforschung, um herauszufinden, welche Sorten an welchen Standorten überhaupt geeignet sind. Jeder Standort hat andere Bedingungen und das dauert. Doch da hat die Obstbauversuchsanstalt in Müncheberg bereits wertvolle Pionierarbeit geleistet. Müncheberg biete sehr gute Bedingungen und könne auf einen enormen Wissens- und Erfahrungstand zurückgreifen.

Doch das Wissen um diese Forschung in der Obstbauversuchsanstalt bündele sich derzeit nahezu in einer Person. Es müsse also sichergestellt werden, dass dieses Wissen an künftige Generationen weitergegeben werden kann. Aber mit „formal drei vollen Stellen“ sei die Arbeit kaum zu schaffen, erläuterte Schwärzel. Die Versuchsanstalt bestand früher aus drei Bereichen – Beeren, Steinobst (z.B. Kirschen oder Aprikosen) und Kernobst (z.B. Apfel oder Birne), wofür insgesamt 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung standen. Aktuell kümmern sich 6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Anlage, zählt man die 3 „Aushilfen“ dazu. Insgesamt wurden 1,5 Millionen an Forschungsgeldern gekürzt.

„Alles was hier zu sehen ist, bleibt nur erhalten, wenn es politisch gewollt ist“

Mit eindringlichen Worten appellierte Dr. Schwärzel an die Landespolitikerinnen, dass sie alles daransetzen sollen, um den langfristigen Bestand der Versuchsanstalt zu gewährleisten. Obstanbau bedarf intensiver Pflege. Und „wenn keiner da ist, der intensiv weiterhin Obst anbaut, werden viele Sorten verschwinden“ so Dr. Hilmar Schwärzel weiter. Auf die Frage, welche Personaldecke er benötige, meinte er, dass eine Stärke von 10 schon gut wären, was jedoch noch lange nicht an die ursprüngliche Personalstärke aus früheren Jahren herankommt.

Die agrarpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Isabell Hiekel nach dem Besuch: „Wir freuen uns, dass die organisatorische Angliederung offenbar gut funktioniert hat und der Standort mit seinem wertvollen Potenzial für den Obstanbau erhalten werden kann“. „Probleme gebe es allerdings noch bei der Personalausstattung“, so Hiekel weiter. Die Station habe sich von den radikalen Kürzungen Anfang der 2010er Jahre immer noch nicht erholt. Offen sei vor allem die Nachfolge des Stationsleiters. „Wir nehmen das Problem mit in den Landtag. Obstbauforschung braucht Kontinuität über lange Zeiträume. Eine generationsübergreifende Arbeit und der Wissenstransfer muss gesichert werden“, meint dazu Sahra Damus. „Das gilt ganz besonders in Zeiten des Klimawandels, der den landwirtschaftlichen Betrieben sehr zu schaffen macht.”

Die Ostbauversuchsanstalt wurde um 1910 unter dem Kaiser Wilhelm II. gegründet und besitzt eine einzigartige Gendatenbank im Land Brandenburg. Seit fast 90 Jahren wächst bei Müncheberg auf 32 Hektar Anbaufläche Obst – derzeit über 1000 Apfelsorten, sowie rund 100 Birnen-, 50 Kirsch- und 25 Aprikosensorten. Die obstgenetischen Ressourcen in Müncheberg seien sehr wertvoll und müssen erhalten werden, so Hiekel. „Da die Obstbauforschung Kontinuität über lange Zeiträume braucht, müssen wir die Rahmenbedingungen dafür verbessern“.

Auch im Angesicht des Klimawandels nehme der Bedarf an Obstsorten zu, die den veränderten klimatischen Bedingungen in der heimischen Region standhalten. „Die Forschung in Müncheberg ist unbedingt notwendig, um auch im Land Brandenburg zukünftig Arbeitsplätze im Obstbau zu sichern und die traditionellen Obstbaustandorte zu erhalten. Es ist wichtig, die Bevölkerung mit frischem und regionalem Obst zu versorgen“, sagt Damus.

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