Couch statt Campus

Die wegen der Corona-Krise geschlossene Universität Viadrina setzt beim neuen Semester auf Online-Angebote.

Couch statt Campus

Frankfurt (Oder). Die Vorlesungszeit des Sommersemesters der Europa-Universität beginnt am Dienstag, dem 14. April 2020 als Online-Lehre. So findet die seit Montag, dem 6. April laufende Einführungswoche für neue Studierende dieses Jahr ohne Campus-Führungen und Veranstaltungen statt. Stattdessen sollen sich neue Kommilitoninnen und Kommilitonen bei einem virtuellen Kaffeeklatsch über das studentische Leben auf dem Campus und in der Stadt informieren. Daneben entwickelt die Universität eine Online-Börse für Sprachlern-Tandems, Schreibberatung über Skype und Coworking von zu Hause.

„Es geht darum, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, gemeinsam produktiv zu sein, auch wenn man im Homeoffice sitzt“, beschreibt Ulrike Käfer, Managerin des Coworking Spaces der Viadrina das digitale Coworking. Dabei arbeiten alle Teilnehmer in einer Videokonferenz zusammen – jeder am eigenen Projekt. Nach 25 Minuten Arbeit folgen zehn Minuten Pause, es kann gechattet werden und Ulrike Käfer berät, wie man sich die Arbeit zu Hause gut strukturiert.

Ein weiteres Angebot, dass das Schreibzentrum schon im Wintersemester entwickelte, erlebt jetzt große Nachfrage: die Online-Schreibberatung. „Wir sind unkompliziert erreichbar und können den Schreibprozess begleiten“, sagt Franziska Liebetanz, Co-Leiterin des Zentrums für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen, zu dem das Schreibzentrum gehört. Beraterinnen und Berater telefonieren mit den Rat suchenden Studierenden, tauschen die Texte per E-Mail aus und treffen sich in Video-Chats, um bei der Organisation von Schreibaufgaben zu helfen.

Das Gründungszentrum der Viadrina hat seine Angebote ebenfalls digitalisiert. Regelmäßig wird zum Gründerinnen- und Gründer-Stammtisch, dem „Online-Entrepreneurship Meetup“, geladen. Sprechstunden und Kurse finden per Videokonferenz statt. In einen Ideen-Wettbewerb können zudem „Ideen für eine bessere Welt trotz Corona“ eingereicht werden.

Dieses Semester studieren etwa 5.500 Menschen aus 107 Ländern an der Frankfurter Universität. Der Anteil der ausländischen Studierenden ist mit 25 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Die meisten davon stammen wie in den Vorjahren aus Polen (334), der Türkei (116) und der Ukraine (105). Zu den Herkunftsländern der Studierendenschaft der Viadrina zählen in diesem Sommersemester auch Bangladesch (32 Studierende), Vietnam (30), Kolumbien (20), Mexiko (15), Nigeria (17), Kamerun (14), Australien (2), Gambia (1), Haiti (1) und Mauritius (1).

Insgesamt 222 Gaststudierende aus aller Welt wurden zum Sommersemester an der Viadrina erwartet. Wegen des Ausnahmezustands durch die Corona-Pandemie verschiebt ein Teil davon den Aufenthalt an der Europa-Universität oder besucht die geplanten Kurse online. Zehn Prozent der erwarteten Studentinnen und Studenten haben bisher ihren Aufenthalt aufgrund der Corona-Krise abgesagt.

153 Viadrina-Studierende befinden sich momentan, trotz der derzeitigen Einschränkungen, im Auslandssemester in insgesamt 32 Ländern. Im laufenden akademischen Jahr nutzten 421 Studentinnen und Studenten diese Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts. Am gefragtesten sind Studienaufenthalte in Frankreich, Spanien, Polen und der Türkei.

Logo