Sonderausstellung im Junkerhaus

Wegen der von der Regierung erzwungenen „Notbremse“ musste die neue Ausstellung des Museums Viadrina nach einem Tag wieder schließen.

Sonderausstellung im Junkerhaus

Am Gründonnerstag, dem 1. April 2021 präsentierte das Museum Viadrina im Junkerhaus die Sonderausstellung „Ich bin ein Frankfurter“. Sie blickt auf das Leben und Wirken des gebürtigen Frankfurters Zvi Aharoni (1921–2012) zurück, des Mossad-Agenten und Nazijägers, der Adolf Eichmann in Argentinien fand, und das Jugendbegegnungsprojekt „Building Bridges“ gründete. Der mit Aharoni befreundete Peter Staffa initiierte die Ausstellung. Konzipiert von Alexander Sage und finanziert durch Fördergelder und Spenden dokumentiert sie die Biografie des Agenten mit Bild-, Ton- und Filmmaterial.

Zvi Aharoni wurde unter dem Namen Hermann Arndt als Sohn einer jüdischen Familie in Frankfurt (Oder) geboren. Er besuchte das hiesige Friedrichsgymnasium in der Gubener Vorstadt. Im Jahr 1935 zog die Familie nach Berlin. 1938 floh Hermann Arndt in die damalige britische Kolonie Palästina, wo er in einem Kibbutz lebte. Dort nahm er den hebräischen Namen Zvi Aharoni an. Er lernte Englisch und kämpfte als Soldat der British Army gegen deutsche Truppen in Rom und Rimini.

Nach der Unabhängigkeit Israels arbeitete Aharoni ab 1949 für den neu gegründeten Geheimdienst Mossad. Berühmtheit erlangte der gebürtige Frankfurter als der Agent, der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, eine Schlüsselfigur des Holocaust, 1960 in Argentinien aufspürte und identifizierte. Zvi Aharoni war ebenfalls an Eichmanns Entführung nach Israel beteiligt, die im weltweit beachteten Eichmann-Prozess mündete. Bei seiner Gefangennahme sagte Eichmann zu Aharoni: „Ich habe mich mit meinem Schicksal abgefunden.“

Zvi Aharonis Lebensgeschichte wird im Zusammenhang mit der über 20-jährigen Geschichte des Jugendbegegnungsprojekts „Building Bridges“ in Frankfurt (Oder) präsentiert. Nach der friedlichen Revolution kam es zu Kontakten Aharonis zu seiner ehemaligen Schule, der jetzigen Grundschule Mitte. Daraus entstand das Projekt „Building Bridges“ mit dem Ziel der Begegnung und Verständigung zwischen deutschen, polnischen, jüdischen und arabischen Jugendlichen, zum Beispiel durch gemeinsame Reisen nach Israel.

Bereits im Oktober vorigen Jahres öffnete die Ausstellung in der Kulturmanufaktur Gerstenberg, musste aber auf Anordnung der Landesregierung am nächsten Tag wieder schließen. Peter Staffa und Museumsleiter Dr. Tim Müller hoffen, dass Museumsbesuche nach dem 18. April 2021 erlaubt werden. Geplant ist, „Ich bin ein Frankfurter“ bis zum 16. Mai 2021 im Junkerhaus zu zeigen. Spätere Besichtigungsmöglichkeiten in der Gertraudkirche sind im Gespräch.

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